Ninjago und der grüne Ninja
Der goldene Glanz in der Schlangengrube
Der Marsch durch den dichten, unnachgiebigen Dschungel in Richtung von Meister Chens Palast fühlte sich für Lloyd wie ein bizarrer Traum an. Er war hier, an der Seite seines Vaters, den er so viele Jahre schmerzlich vermisst hatte. Doch die Umgebung erinnerte ihn an eine seiner dunkelsten Prüfungen. Er versuchte, sich klein zu machen, die Kapuze seiner grünen Robe tief in das Gesicht zu ziehen, um seine markanten Züge zu verbergen. Doch es war zwecklos. Die Art, wie er sich bewegte – mit der fließenden Anmut eines Raubtieres und der Erhabenheit eines Gottes –, zog alle Blicke auf sich. Sein langes, blondes Haar, das er eilig zu einem Zopf gebunden hatte, schimmerte selbst im Schatten der Bäume wie flüssiges Gold.
„Versuch nicht, dich zu verstecken, Lloyd“, murmelte Garmadon, der direkt neben ihm schritt. Seine Stimme war tief und voller väterlicher Sorge. „Deine Aura ist so hell wie die Sonne. In diesem finsteren Ort stichst du heraus wie ein Juwel im Dreck.“
Lloyd sah zu ihm auf, seine smaragdgrünen Augen leuchteten unter dem Stoff der Kapuze hervor. „Ich will keine Unruhe stiften, Vater. Wenn Chen merkt, dass ich nicht der Lloyd bin, den er erwartet, wird er seine Pläne ändern.“
Als sie die Tore des Palastes erreichten, war es bereits zu spät für Anonymität. Die Wachen in ihren violetten Roben hielten inne, ihre Speere sanken ein Stück, während sie den Neuankömmling anstarrten. Lloyd war nicht mehr der schmale Junge von früher. Sein Körper war durch Jahre des Krieges geformt worden – breite Schultern, eine schmale Taille und eine Präsenz, die Autorität atmete.
Im Thronsaal saß Meister Chen auf seinem überladenen Stuhl, ein manisches Grinsen auf den Lippen. Doch als die Gruppe der Ninja eintrat, blieb sein Blick sofort an Lloyd hängen. Chen beugte sich vor, seine Augen weiteten sich vor Gier.
„Oh, was haben wir denn da?“, quietschte Chen und klatschte in die Hände. „Garmadon, du hast mir verschwiegen, dass dein Sohn eine solche... Kostbarkeit geworden ist! Ich liebe schöne Dinge, das weißt du. Und dieser Lloyd hier... er ist ein Meisterwerk!“
Garmadon trat schützend vor seinen Sohn, die Hand am Griff seines Stabes. „Er ist kein Objekt für deine Sammlung, Chen. Er ist mein Sohn und ein Teilnehmer an deinem Turnier.“
Lloyd spürte Chens lüsternen Blick auf seiner Haut wie eine klebrige Schicht. Er zwang sich, ruhig zu bleiben, während das Turnier begann. Die Kämpfe der Elementarmeister waren für ihn fast wie in Zeitlupe. Als er schließlich selbst in die Arena gerufen wurde, um gegen mehrere von Chens Elitekämpfern gleichzeitig anzutreten, zögerte er nicht.
Er bewegte sich nicht wie ein Schüler, sondern wie ein Meister. Mit einer einzigen, fließenden Drehung fegte er drei Angreifer von den Füßen. Seine Bewegungen waren so schnell, dass die Zuschauer nur grüne Lichtblitze sahen. Ohne eine einzige Schweißperle auf der Stirn oder einen Kratzer an seinem verführerischen Körper beendete er den Kampf in Sekunden. Die Ninja auf der Tribüne starrten ihn mit offenem Mund an.
„Heiliger Erster Spinjitzu-Meister“, flüsterte Kai. „Er spielt in einer ganz anderen Liga.“
Nach den Kämpfen, als die Nacht über die Insel hereinbrach, saßen Lloyd und Garmadon in einem ruhigen Innenhof. Die Luft war schwer von exotischen Blumen. Garmadon beobachtete seinen Sohn lange schweigend, bevor er das Wort ergriff.
„Du hast vorhin Dinge erwähnt, Lloyd... über die Zukunft. Du sagtest, ich sei im Geisterreich gewesen. Hast du mich dort wirklich gesehen? Wie war ich dort?“
Lloyds Körper versteifte sich. Die Erinnerung an das Geisterreich war untrennbar mit einer Person verbunden. „Ich... ich habe dich gesehen, Vater. Du warst in den verfluchten Ketten, aber du hast mir geholfen. Du hast mir den Mut gegeben, weiterzukämpfen.“
Garmadon nickte langsam, doch seine nächste Frage traf Lloyd unvorbereitet. „Und wer hat dich dorthin geführt? Wer war die Gefahr, die uns alle bedrohte?“
In Lloyds Kopf blitzte ein Bild auf: blasse Haut, dunkle Augenringe und ein hämisches Lachen, das wie Wind durch die Blätter heulte. „Morro“, flüsterte Lloyd. Sein Atem wurde flach. Er erinnerte sich an das Gefühl, in seinem eigenen Körper gefangen zu sein, während der Geist des Windes seine Gliedmaßen wie eine Marionette steuerte. Die Panik stieg in ihm auf, eine kalte, lähmende Angst. Seine Hände begannen zu zittern.
„Lloyd? Was ist los?“, fragte Garmadon alarmiert und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Er hat mich besessen...“, presste Lloyd hervor, seine grünen Augen weiteten sich vor Grauen. „Er hat alles genommen... meine Stimme, meine Kraft... ich konnte nichts tun!“
Garmadon zog ihn fest an sich, erschrocken über die plötzliche Zerbrechlichkeit des sonst so mächtigen Kriegers. „Es ist vorbei, Lloyd. Er ist nicht hier. Ich beschütze dich.“
Währenddessen beobachtete Chen die Szene aus einem versteckten Alkoven. Sein Neid und seine Gier kannten keine Grenzen. Er wollte diesen jungen Mann nicht nur wegen seiner Kraft. Er wollte ihn als Trophäe, als die schönste seiner Konkubinen, die an seiner Seite thronen und seinen Palast zieren sollte. Ein Plan formte sich in seinem kranken Geist.
„Clouse!“, zischte Chen seinem Untergebenen zu. „Das Gift der Schattenlilie. Misch es unter sein Abendessen. Ich will ihn nicht töten, ich will ihn nur... gefügig machen. Er soll zu schwach sein, um Widerstand zu leisten, wenn ich ihn zu mir hole.“
Wenig später wurde den Ninja in ihren Gemächern ein Festmahl serviert. Lloyd, der nach dem emotionalen Ausbruch und den Kämpfen erschöpft war, schenkte dem Essen keine große Beachtung. Er nahm ein paar Bissen von den exotischen Früchten und dem duftenden Reis, den die Diener brachten.
„Du musst essen, Lloyd“, sagte Cole freundlich, während er selbst eine riesige Portion verschlang. „Du siehst blass aus.“
Lloyd lächelte schwach und nahm noch einen Löffel. Doch nach nur wenigen Minuten spürte er eine seltsame Schwere in seinen Gliedern. Sein Kopf begann sich zu drehen, und die Stimmen seiner Freunde klangen plötzlich meilenweit entfernt.
„Vater?“, murmelte er und versuchte aufzustehen, doch seine Knie gaben nach. Er taumelte und musste sich am Tisch festhalten.
„Lloyd? Was ist mit dir?“, fragte Garmadon sofort und sprang auf, um ihn aufzufangen.
„Ich... ich fühle mich nicht gut“, flüsterte Lloyd. Seine Haut, die zuvor so strahlend gewirkt hatte, war nun aschfahl, und kalter Schweiß trat auf seine Stirn. Ein stechender Schmerz breitete sich in seiner Brust aus, gefolgt von einer lähmenden Müdigkeit.
Zane trat schnell vor und scannte Lloyds Vitalwerte. „Sein Puls rast, und seine Körpertemperatur sinkt rapide. Das ist kein normaler Erschöpfungszustand. Er wurde vergiftet!“
Garmadon spürte, wie eine kalte Wut in ihm aufstieg, die dunkler war als alles, was er seit Jahren gefühlt hatte. Er blickte auf das Essen und dann in Richtung von Chens Thronsaal. Er wusste genau, wer das getan hatte.
Lloyd versuchte zu sprechen, doch seine Lider wurden immer schwerer. Er sah nur noch die besorgten Gesichter seiner Freunde und das verzerrte Gesicht seines Vaters, bevor die Dunkelheit ihn umschlang. Sein schöner, kraftvoller Körper lag nun schlaff in Garmadons Armen, wehrlos gegen die Intrigen eines Mannes, der keine Grenzen kannte.
„Bringt ihn in mein Zimmer!“, befahl Garmadon mit einer Stimme, die wie Donner grollte. „Und bildet eine Wache. Wenn sich jemand diesem Raum nähert, wird er es mit der Macht eines Garmadon zu tun bekommen.“
Doch während die Ninja Lloyd wegtrugen, rieb sich Chen in der Ferne die Hände. Das Gift wirkte. Der goldene Ninja war nun greifbar nah, und er würde alles tun, um ihn niemals wieder gehen zu lassen.