Breaking ice
Die Regeln neu schreiben
Das Eis unter seinen Kufen war kein Feind mehr. Es war eine Leinwand. Und Garrett malte darauf mit Wut, mit Verzweiflung und mit einer neuen, wilden Art von Freude, die er noch nie zuvor gekannt hatte. Für Ivery, die von ihrem Adlerhorst unter dem Dach der Arena zusah, war es, als würde sie einem völlig Fremden zusehen, der das Gesicht ihres Garrett trug.
Der Garrett, den sie bisher gekannt hatte – der arrogante Kapitän, der gebrochene Sohn –, war präzise, technisch, fast mechanisch gewesen. Jeder seiner Züge war einstudiert, effizient, darauf ausgelegt, die Erwartungen zu erfüllen, die sein Vater in seine DNA geätzt hatte. Doch dieser Garrett hier, der jetzt über das Eis flog, war anders. Er war ein Chaos aus entfesselter Energie. Er spielte nicht nach einem Plan, er spielte aus dem Bauch heraus. Er warf sich in Zweikämpfe, als gäbe es kein Morgen, riskierte alles für einen Puck, den andere längst aufgegeben hätten, und seine Augen, die sie selbst aus dieser Entfernung zu spüren schien, brannten mit einem Feuer, das nichts mit dem kalten Glanz des Erfolges zu tun hatte. Er spielte wie ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hatte und genau deshalb alles gewinnen konnte.
Und Ivery verstand. Er spielte nicht mehr für Phil Graham. Er spielte nicht für den Coach. Er spielte für sich.
Und mit einer schwindelerregenden, furchterregenden Erkenntnis wusste sie: Er spielte auch für sie.
Jeder seiner schnellen Stopps, die eine Wolke aus Eispartikeln aufwirbelten, war ein Akt der Rebellion. Jeder seiner präzisen Pässe, die seine Mitspieler perfekt erreichten, war ein Mittelfinger an das System, das ihn auf die Bank verbannt hatte. Das Team spürte es. Die anfängliche Verunsicherung war einer elektrisierenden Energie gewichen. Sie folgten ihm nicht, weil er der Kapitän war. Sie folgten ihm, weil er das Herz war, das plötzlich wieder zu schlagen begonnen hatte.
Die Menge spürte es auch. Das übliche Murmeln und die gelegentlichen Anfeuerungsrufe waren einem konstanten, pochenden Brüllen gewichen. Sie sahen nicht nur ein Hockeyspiel. Sie sahen eine Wiederauferstehung.
Ivery saß auf der Kante ihres Sitzes, ihre Hände zu Fäusten geballt. Die Panik, die sie zuvor fast erstickt hätte, war verschwunden, ersetzt durch eine so intensive Anspannung, dass sie kaum atmen konnte. Ihr Hass auf diesen Ort, auf diesen Sport, war immer noch da, ein tiefes, altes Grollen in ihren Knochen. Aber er wurde überlagert von etwas Stärkerem: der verzweifelten, alles verzehrenden Hoffnung, dass der Mann da unten auf dem Eis, *ihr* Mann, diesen Kampf gewinnen würde.
Die letzten zwei Minuten des Spiels liefen. Der Spielstand war unentschieden. Dartmouth war im Angriff, der Puck tanzte gefährlich vor dem Tor von Briar. Garrett war überall. Er blockte einen Schuss mit seinem Körper, rappelte sich auf, jagte dem gegnerischen Spieler nach und stahl ihm den Puck mit einer Bewegung, die an die Grenzen der Physik zu gehen schien.
Die Halle explodierte.
Er hatte freie Bahn, nur noch einen Verteidiger vor sich. Der alte Garrett hätte den Schuss selbst versucht. Der Garrett, der seinem Vater gefallen wollte, hätte die Statistik, das Heldentor gesucht. Aber dieser Garrett tat etwas anderes. Er zog die Aufmerksamkeit des Verteidigers und des Torwarts auf sich, und im letzten möglichen Moment, als alle Welt erwartete, dass er schießen würde, schob er den Puck mit einer lässigen, fast arroganten Bewegung zur Seite.
Dort stand Logan. Völlig frei. Das Tor war leer.
Logan musste den Puck nur noch über die Linie schieben. Es war das einfachste Tor seiner Karriere. Die Sirene ertönte fast im selben Moment, als das rote Licht hinter dem Tor aufleuchtete.
Briar hatte gewonnen.
Chaos brach aus. Die Spieler stürzten sich auf Logan, der die Arme in die Höhe riss. Aber Garrett fuhr zu seinem Torwart und umarmte ihn als Ersten. Dann erst wandte er sich dem jubelnden Knäuel seiner Mannschaft zu. Ivery sah von oben zu, wie Logan sich von den anderen löste und auf Garrett zufuhr. Sie umarmten sich kurz, aber es war eine Umarmung, die Bände sprach. Logan klopfte ihm auf den Helm, und selbst aus dieser Entfernung konnte Ivery sehen, wie er ihm etwas zurief, das Garrett zum Lächeln brachte. Ein echtes, müdes, aber unendlich erleichtertes Lächeln.
Der Sieg war süß, aber für Ivery war er auch ein Signal. Das Spiel war vorbei. Die Scheinwerfer würden bald ausgehen. Die Realität würde zurückkehren. Und sie wusste nicht, ob sie ihr gewachsen war.
Sie stand auf, noch bevor die Spieler das Eis verließen. Sie musste hier raus. Die jubelnde Menge, die laute Musik, die erstickende Atmosphäre – es war zu viel. Sie musste an die kalte, klare Nachtluft. Sie musste atmen. Sie kämpfte sich gegen den Strom der feiernden Fans, die langsam die Gänge füllten, und schaffte es, einen der weniger benutzten Ausgänge zu erreichen.
Die Kälte schlug ihr entgegen, ein willkommener Schock nach der aufgeheizten Arena. Sie atmete tief durch, die Luft schmerzte in ihren Lungen. Sie hatte es getan. Sie hatte ein ganzes Hockeyspiel überlebt. Und sie hatte ihn siegen sehen. Nicht nur auf der Anzeigetafel.
Sie begann, den Weg zurück zum Wohnheim zu gehen, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Sie wollte nicht, dass er sie suchte. Nicht jetzt. Nicht hier, im Epizentrum seines Triumphs, wo sie sich wie ein Geist aus einer anderen Welt fühlte. Sie brauchte eine Minute, um die Rüstung, die sie den ganzen Abend getragen hatte, wieder zu flicken. Sie brauchte eine Minute, um wieder Ivery zu werden und nicht nur das verängstigte Mädchen, das seinen Vater auf dem Eis sterben sah.
»Nicht so schnell.«
Die Stimme kam von hinter ihr, tief und leicht außer Atem. Sie blieb stehen, aber sie drehte sich nicht um. Ihr Herz vollführte einen schmerzhaften Satz.
Garrett trat neben sie, seine Schritte waren auf dem gefrorenen Asphalt kaum zu hören. Er trug nur eine Jeans und den Hoodie seines Teams. Seine Haare waren noch feucht von der Dusche, und er roch nach Seife und Sieg.
»Ich dachte, du wärst weg«, sagte er leise.
»Wollte ich auch«, gab sie ehrlich zurück, ohne ihn anzusehen.
Er stellte sich vor sie und zwang sie so, ihn anzusehen. Sein Gesicht war im Halbdunkel des Campus kaum zu erkennen, aber sie sah die Erschöpfung in seinen Augen. Und etwas anderes. Eine neue Sanftheit.
»Warum?«, fragte er.
»Weil das dein Moment ist, Garrett. Mit deinem Team. Du solltest nicht hier draußen in der Kälte stehen und einem Gespenst nachjagen.«
»Du bist kein Gespenst«, sagte er und trat einen Schritt näher. Die Wärme, die von ihm ausging, war eine greifbare Kraft. »Du bist der Grund, warum es diesen Moment überhaupt gibt.«
Ihre Kehle war wie zugeschnürt. »Das ist nicht wahr. Das warst alles du da draußen.«
»Ich war da draußen«, korrigierte er sanft, »weil du hier drinnen warst.« Er hob eine Hand und berührte vorsichtig ihre Wange. Seine Finger waren kalt, aber seine Berührung schickte eine Welle der Wärme durch ihren ganzen Körper. »Ich habe dich gesucht. Bevor ich aufs Eis gegangen bin.«
»Ich habe dich gesehen«, flüsterte sie.
»Ich wusste, dass du da bist«, sagte er. »Und das hat alles verändert.«
Sie standen da, mitten auf dem Weg, während Gruppen von feiernden Studenten an ihnen vorbeizogen, ohne sie zu bemerken. Sie befanden sich in ihrer eigenen kleinen Blase aus Stille und unausgesprochenen Gefühlen.
»Logan hat das Tor geschossen«, sagte sie schließlich, nur um die Stille zu durchbrechen.
Er lächelte. »Ja. Ich dachte, das wäre passender. Mein Vater hat mir immer beigebracht, dass der Held der ist, dessen Name in der Zeitung steht. Ich wollte heute nicht der Held sein. Ich wollte nur, dass wir gewinnen.«
*Wir.* Das Wort hing zwischen ihnen in der kalten Luft.
»Du bist müde«, sagte sie. »Du solltest schlafen.«
»Werde ich nicht können«, erwiderte er. »Mein Kopf ist zu laut.« Er ließ seine Hand von ihrer Wange gleiten, aber seine Finger fanden ihre und verschränkten sich mit ihnen. »Komm mit mir.«
Es war keine Frage, es war eine Bitte. Ein Flehen.
»Wohin?«, fragte sie, obwohl sie die Antwort bereits kannte.
»Weg von hier«, sagte er. »Nur für ein paar Stunden. Irgendwohin, wo es leise ist.«
Sie nickte. Sie wusste, dass sie nicht Nein sagen konnte, selbst wenn sie gewollt hätte. Sie waren über einen Punkt hinaus, an dem ein Zurück noch möglich war. Sie ließ sich von ihm führen, ihre Hände fest miteinander verbunden. Er führte sie nicht zu seinem Wohnheim, nicht zu ihrem. Er führte sie zu dem Parkplatz hinter der Arena, wo die Autos der Spieler standen.
Er blieb vor einem alten, leicht verbeulten Pick-up stehen, der zwischen den glänzenden, teuren SUVs seiner Teamkollegen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit wirkte.
»Das ist nicht dein Jeep«, stellte sie fest.
»Nein«, sagte er und kramte einen Schlüssel aus seiner Tasche. »Das ist Logans Truck. Er hat gesagt, ich soll ihn nehmen. Meiner… meiner wird morgen abgeholt.«
Die beiläufige Bemerkung traf Ivery mit voller Wucht. Der Verkauf des Jeeps. Der Plan, den sie zusammen geschmiedet hatten. In all dem Drama hatte sie es fast vergessen. Er hatte es durchgezogen.
Er hielt ihr die Beifahrertür auf, eine altmodische Geste, die sie zum Lächeln brachte. Sie stieg ein. Die Kabine roch nach Logan – eine Mischung aus Fast Food, altem Kaffee und Hockey-Ausrüstung. Es war seltsam beruhigend.
Garrett stieg auf der Fahrerseite ein und startete den Motor, der mit einem lauten Ächzen zum Leben erwachte. Er fuhr los, weg vom Campus, weg von den Lichtern und dem Lärm. Sie fuhren eine Weile schweigend, nur das Rumpeln des alten Motors und das leise Rauschen der Heizung erfüllten die Kabine.
»Wohin fahren wir?«, fragte Ivery schließlich.
»Ich zeig’s dir«, war seine einzige Antwort.
Nach etwa zwanzig Minuten bog er von der Hauptstraße ab auf eine unbefestigte Straße, die sich einen bewaldeten Hügel hinaufwand. Der Truck ächzte und stöhnte, aber er kämpfte sich tapfer nach oben. Schließlich erreichten sie eine kleine Lichtung. Garrett schaltete den Motor und die Scheinwerfer aus.
Draußen war es stockdunkel. Aber unter ihnen breitete sich ein Meer aus Lichtern aus. Die ganze Stadt lag ihnen zu Füßen, ein glitzerndes, funkelndes Netz aus Leben.
»Wow«, flüsterte Ivery.
»Ich komme manchmal hierher«, sagte Garrett leise. »Wenn alles zu viel wird. Von hier oben sieht alles so… klein aus. Unwichtig.«
Sie saßen schweigend da und sahen auf die Lichter hinab. Es war der friedlichste Moment, den Ivery seit Jahren erlebt hatte. Hier oben gab es keine Geister, keine Erwartungen, keine schmerzhaften Erinnerungen. Es gab nur sie, ihn und die stille, schlafende Stadt.
»Ich habe heute nicht für ihn gespielt«, sagte Garrett plötzlich in die Stille hinein. »Nicht für meinen Vater. Und auch nicht für den Coach.« Er drehte seinen Kopf und sah sie im schwachen Licht des Mondes an. »Ich habe für mich gespielt. Und ich habe für dich gespielt.«
Ivery spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen, aber diesmal waren es keine Tränen der Trauer oder Angst. »Ich weiß«, flüsterte sie.
»Als ich auf der Bank saß…«, fuhr er fort, seine Stimme war rau, »…war das das Schlimmste, was ich je gefühlt habe. Diese Hilflosigkeit. Diese Demütigung. Ich dachte, er hätte gewonnen. Ich dachte, ich hätte alles verloren.« Er machte eine Pause. »Und dann bist du da aufgetaucht. In diesem hässlichen Gang. Und du hast nicht gesagt, was ich hören wollte. Du hast nicht gesagt, dass alles gut wird. Du hast gesagt, du bist da. Und das… das war alles, was ich hören musste.«
Er lehnte sich über die Mittelkonsole zu ihr herüber. Sein Gesicht war nur Zentimeter von ihrem entfernt. Sie konnte den leichten Geruch von Whiskey in seinem Atem riechen, gemischt mit dem süßlichen Duft von Pfefferminz.
»Ich will das nicht vermasseln, Ivery«, sagte er, seine Stimme war kaum mehr als ein Hauchen. »Was auch immer das hier zwischen uns ist… ich will es nicht vermasseln.«
»Was ist es denn?«, fragte sie ebenso leise, obwohl sie die Antwort fürchtete und sich gleichzeitig danach sehnte.
Er schüttelte leicht den Kopf. »Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mich in deiner Nähe mehr wie ich selbst fühle als bei jedem anderen Menschen auf diesem Planeten. Ich weiß, dass der Gedanke, dich zu verlieren, schlimmer ist als jede Drohung meines Vaters. Und ich weiß, dass ich dich küssen will, mehr als ich atmen will.«
Und dann tat er es. Er schloss die kleine Lücke zwischen ihnen und seine Lippen trafen ihre. Es war kein fordernder, verzweifelter Kuss wie in der Arena. Er war sanft, fragend, voller Zärtlichkeit. Er schmeckte nach Erleichterung und einem Neuanfang. Ivery erwiderte den Kuss, legte ihre Hände in seinen Nacken und zog ihn näher. Sie verlor sich in dem Gefühl seiner Lippen, in der Wärme seines Körpers, in der Sicherheit seiner Gegenwart.
Als sie sich lösten, waren sie beide atemlos. Er lehnte seine Stirn gegen ihre.
»Okay«, sagte sie leise.
»Okay?«, fragte er.
»Okay«, wiederholte sie. »Wir vermasseln es nicht. Zusammen.«
Sie blieben noch lange dort oben sitzen, redeten nicht viel, hielten nur Händchen und sahen den Lichtern zu, wie sie langsam eines nach dem anderen erloschen. Es war keine große, dramatische Liebeserklärung. Es war etwas Besseres. Es war ein stilles Einverständnis. Der Beginn von etwas Echtem, das in der Asche ihrer jeweiligen Katastrophen gewachsen war.
Als er sie schließlich zurück zu ihrem Wohnheim fuhr, fühlte sich die Welt anders an. Die Luft war immer noch kalt, aber sie war nicht mehr feindselig. Die Zukunft war immer noch ungewiss, aber sie war nicht mehr furchterregend.
Vor ihrer Tür zögerte er. »Was jetzt?«, fragte er. Es klang nicht wie eine Frage nach dem nächsten Schritt ihrer Beziehung, sondern wie eine praktische Frage. Was tun wir in den nächsten fünf Minuten?
»Jetzt gehst du in dein Bett und schläfst zwanzig Stunden«, sagte sie und lächelte. »Du siehst aus, als könntest du es gebrauchen.«
»Und du?«, fragte er, seine Augen hingen an ihren.
»Ich werde Allie alles erzählen, was sie wissen will, und dann werde ich versuchen, dasselbe zu tun.«
Er nickte, aber er machte keine Anstalten zu gehen. »Kann ich dich morgen sehen?«
»Ja«, sagte sie ohne zu zögern. »Zum Frühstück? Der Food-Truck? Du schuldest mir noch einen Burrito.«
Er lachte, ein echtes, tiefes Lachen, das ihr Herz erwärmte. »Okay. Deal.«
Er beugte sich vor, um sie zu küssen, ein kurzer, süßer Kuss zum Abschied. Doch in diesem Moment summte sein Handy, das er auf dem Beifahrersitz von Logans Truck vergessen hatte, und das jetzt in seiner Hosentasche steckte. Ein lautes, aufdringliches Summen.
Sie erstarrten beide.
Sie wussten, wer es war. Es konnte nur eine Person sein.
Die Blase, in der sie sich befunden hatten, zerplatzte mit einem leisen Zischen. Die Realität klopfte an, ungeduldig und wütend.
Garretts Gesicht verfinsterte sich. Der müde, aber glückliche Mann von eben war verschwunden, ersetzt durch den angespannten Soldaten, der sich auf den nächsten Angriff vorbereitete. Er griff nach seinem Handy.
»Nein«, sagte Ivery leise, aber bestimmt. Sie legte ihre Hand auf seine. »Nicht jetzt.«
Er sah sie an, seine Augen waren ein stürmischer Ozean aus widersprüchlichen Gefühlen.
»Du hast heute gewonnen, Garrett«, fuhr sie fort. »Du hast auf dem Eis gewonnen. Du hast gegen ihn gewonnen. Lass ihn dir diesen Sieg nicht nehmen. Nicht heute Nacht.« Sie drückte seine Hand. »Schalte es aus.«
Er starrte auf das leuchtende Display, auf dem der Name ›Phil Graham‹ pulsierte. Ein Teil von ihm wollte rangehen, wollte die Wut, den Triumph herausschreien. Der andere Teil wollte das Handy gegen die nächste Wand werfen.
Aber er tat keines von beiden. Er sah Ivery in die Augen, sah die Stärke und die ruhige Überzeugung darin. Er atmete tief durch, drückte den Anruf weg und hielt dann den Power-Button gedrückt, bis der Bildschirm schwarz wurde.
Er steckte das tote Handy zurück in seine Tasche.
»Du hast recht«, sagte er. »Nicht heute Nacht.«
Er gab ihr einen weiteren, schnellen Kuss auf die Stirn. »Frühstück«, sagte er, und es war ein Versprechen.
Dann drehte er sich um und ging, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Ivery sah ihm nach, bis er in der Dunkelheit verschwunden war. Sie betrat ihr Wohnheim, ihr Herz war schwer und gleichzeitig so leicht wie seit Jahren nicht mehr. Allie saß auf dem Sofa und sprang auf, als sie sie sah.
»Und?!«, fragte sie aufgeregt.
Ivery lächelte, ein echtes, müdes, aber unendlich glückliches Lächeln. »Wir gehen morgen frühstücken.«
Es war nicht viel. Aber es war alles.
In seinem Zimmer ließ Garrett sich auf sein Bett fallen, zu erschöpft, um sich auszuziehen. Er starrte an die Decke. Die Stille war absolut. Sein Handy lag tot und stumm auf dem Nachttisch. Er wusste, dass morgen ein Sturm losbrechen würde. Sein Vater würde herausfinden, dass er gespielt hatte. Er würde herausfinden, dass der Jeep verkauft wurde. Die Hölle würde losbrechen.
Aber das war morgen.
Heute Nacht hatte er gewonnen. Auf dem Eis. Und abseits davon. Er hatte das Mädchen bekommen. Er hatte sich selbst gefunden. Und zum ersten Mal in seinem Leben fühlte es sich an, als hätte er die Regeln nicht nur gebrochen. Er hatte begonnen, seine eigenen zu schreiben. Und in diesem neuen Regelbuch war der wichtigste Paragraph, dass er nicht mehr allein war. Und das war der einzige Sieg, der wirklich zählte.