Gangs
Smaragde, Schweiß und das Versprechen von Morgen
Justin
Ich stand am Fenster unseres Hauses und sah zu, wie der kalifornische Mond das Meer in ein silbriges Licht tauchte. Aiden schlief friedlich in seinem Zimmer, und im Haus herrschte diese seltene, kostbare Stille. Doch in mir drin war es alles andere als leise. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen wie ein gefangener Vogel. Morgen war es so weit. Unser dritter Jahrestag. Ein Meilenstein, den uns am Anfang niemand zugetraut hätte.
„Du grübelst schon wieder, Boss“, ertönte eine vertraute Stimme hinter mir.
Ich drehte mich um. Ryan lehnte lässig im Türrahmen, ein breites Grinsen auf den Lippen. Er war der Einzige, dem ich diese Nervosität eingestehen konnte.
„Ist alles bereit für morgen?“, fragte ich, während ich versuchte, meine zitternden Hände in den Taschen meiner Jeans zu verbergen.
Ryan stieß sich ab und klopfte mir fest auf die Schulter. „Alles ist nach Plan, Justin. Die Jungs haben die Bucht abgesperrt. Kein einziger V8-Abschaum oder neugieriger Tourist wird euch stören. Die Rosen sind bestellt, der Wein ist kaltgestellt und der Ring... Gott, Justin, das Ding kostet wahrscheinlich mehr als mein Fuhrpark.“
Ich musste unwillkürlich lächeln. „Sie ist jeden Cent wert, Ryan. Sie ist mehr wert als alles, was ich besitze.“
„Ich weiß, Bro. Ich hab dich noch nie so weich gesehen wie bei ihr. Aber hey, sie ist Miley. Sie disst mich immer noch jeden Tag, aber ich würde für sie sterben, genau wie du.“ Ryan wurde für einen Moment ernst. „Du hast alles richtig gemacht. Morgen wird legendär.“
„Ich hab verdammt noch mal Angst, dass sie Nein sagt“, gestand ich leise.
Ryan lachte laut auf. „Bist du bescheuert? Die Frau sieht dich an, als wärst du die Sonne, um die sich ihr ganzer Planet dreht. Wenn sie Nein sagt, fresse ich meinen Sniper-Patch.“
Miley
Ich wachte auf, als die ersten Sonnenstrahlen durch die Vorhänge fielen. Justin war bereits aufgestanden, aber sein Duft nach Sandelholz hängte noch schwer in den Laken. Ich streckte mich und spürte dieses wohlige Kribbeln im Bauch. Drei Jahre. Drei Jahre voller Leidenschaft, kleiner Kämpfe, großer Versöhnungen und der bedingungslosen Liebe zu unserem Sohn.
Als ich in die Küche kam, traute ich meinen Augen kaum. Es sah aus, als hätte ein Florist explodiert. Überall standen Vasen mit weißen Rosen – meine Lieblingsblumen. Justin stand am Herd, nur in Boxershorts, und wendete Pfannkuchen. Als er mich sah, blitzten seine karamellfarbenen Augen auf.
„Guten Morgen, Shawty. Alles Gute zum Jahrestag“, sagte er mit dieser rauen Morgenstimme, die mich jedes Mal aufs Neue schwach werden ließ.
Ich trat an ihn heran, schlang meine Arme um seine tätowierte Taille und drückte mein Gesicht gegen seinen Rücken. „Du bist verrückt, Justin. Das sind viel zu viele Blumen.“
„Es gibt nicht genug Blumen auf der Welt für das, was du mir bedeutest“, murmelte er, drehte sich um und hob mein Kinn an, um mich tief und leidenschaftlich zu küssen.
„Wo ist Aiden?“, fragte ich atemlos, als wir uns voneinander lösten.
„Ryan hat ihn abgeholt. Er verbringt den Tag bei ihm und seiner Freundin. Wir haben den ganzen Tag für uns, Babe. Und heute Abend... heute Abend führe ich dich aus.“
Justin
Den ganzen Tag über war ich ein nervöses Wrack, auch wenn ich versuchte, es mir nicht anmerken zu lassen. Wir verbrachten die Stunden am Pool, lachten und genossen die Zweisamkeit, doch in meiner Tasche brannte das kleine Samtetui wie Feuer.
Als die Dämmerung einsetzte, fuhren wir zu einer abgelegenen Klippe, die über den Ozean ragte. Ich hatte dort ein Zelt mit unzähligen Lichterketten und weichen Kissen aufbauen lassen. Ein privater Koch hatte das Essen bereits vorbereitet und war dann verschwunden.
Miley sah mich mit großen Augen an. „Justin, das ist... es ist perfekt.“
„Setz dich, Shawty“, sagte ich und reichte ihr ein Glas Champagner.
Wir aßen, redeten über die alten Zeiten, über den Moment, als ich sie das erste Mal bei diesem verrauchten Gang-Treffen sah, und wie ich wusste, dass mein Leben nie wieder dasselbe sein würde. Doch je später es wurde, desto einsilbiger wurde ich.
„Justin? Alles okay? Du bist so still“, fragte sie und legte ihre Hand auf meine.
Jetzt oder nie.
Ich stand auf, nahm ihre Hand und führte sie an den Rand der Klippe, wo das Rauschen der Wellen unter uns wie ein gewaltiger Herzschlag klang. Der Mond stand voll am Himmel.
„Miley“, begann ich, und meine Stimme zitterte leicht. „Als ich dich das erste Mal sah, war ich ein Mann ohne Richtung. Ich kannte nur Gewalt, Macht und die Kälte der Straße. Du hast in mir ein Licht entzündet, von dem ich nicht wusste, dass es existiert.“
Sie sah mich mit feuchten Augen an, ihre grünen Irise funkelten wie Smaragde.
„Du bist meine beste Freundin, meine Geliebte, die Mutter meines Sohnes und die einzige Person, die es schafft, mich mit einem einzigen Blick in die Knie zu zwingen.“ Ich griff in meine Tasche und sank langsam auf ein Knie.
Miley hielt sich die Hand vor den Mund, eine kleine Träne rollte über ihre Wange.
Ich öffnete das Etui. Der Diamant fing das Mondlicht ein und funkelte fast so hell wie sie. „Miley Cyrus, ich will keine Sekunde meines restlichen Lebens ohne dich verbringen. Ich will mit dir alt werden, ich will mehr Kinder mit dir, ich will dich jeden Morgen dissen und jede Nacht lieben. Willst du meine Frau werden?“
Es fühlte sich an, als würde die Welt den Atem anhalten. Nur der Wind und das Meer waren zu hören.
„Ja!“, schluchzte sie und warf sich in meine Arme, sodass wir fast beide im Sand landeten. „Ja, Justin, tausendmal Ja!“
Ich schob ihr den Ring an den Finger, und er passte perfekt. Ich hob sie hoch und wirbelte sie im Kreis, während ich mein Gesicht in ihrem Haar vergrub.
„Ich liebe dich so verdammt sehr, Shawty“, raunte ich an ihr Ohr.
„Und ich dich, mein Ehemann in spe“, flüsterte sie zurück.
Die Leidenschaft, die uns schon immer verbunden hatte, entflammte in diesem Moment heißer als je zuvor. Ich küsste sie gierig, meine Hände wanderten unter ihr Kleid, suchten die Hitze ihrer Haut. Wir warteten nicht, bis wir zu Hause waren. Dort, unter dem Sternenhimmel, auf den weichen Kissen des Zeltes, besiegelten wir unser Versprechen. Jede Berührung war eine Liebeserklärung, jeder Stoß ein Schwur. Es war wild, fordernd und gleichzeitig so unglaublich zärtlich, dass mir fast die Luft wegblieb.
Miley
Die Hochzeit fand ein paar Monate später statt. Es war kein steifes Fest, sondern eine riesige Party auf dem Anwesen der Snipers. Alle waren da – die Gang, die mittlerweile mehr wie eine große Familie war, Ryan als Trauzeuge, der sichtlich gerührt war, und natürlich Aiden, der in seinem kleinen Anzug aussah wie ein Mini-Justin.
Als ich in meinem weißen Spitzenkleid auf Justin zuging, der am Altar wartete, sah ich, wie er sich eine Träne wegwischte. In diesem Moment war er nicht der gefürchtete Gang-Anführer. Er war mein Justin.
Die Feier dauerte bis in die frühen Morgenstunden. Es wurde getanzt, getrunken und gelacht. Ryan hielt eine Rede, die zur Hälfte aus Beleidigungen gegen Justin und zur Hälfte aus Liebeserklärungen an uns beide bestand.
„Ich dachte immer, Justin stirbt entweder durch eine Kugel oder durch zu viel Ego“, rief Ryan in die Menge. „Aber dann kam Miley und hat ihm gezeigt, dass man auch durch Liebe weichgekocht werden kann. Danke, Miley, dass du aus diesem Arschloch einen Menschen gemacht hast!“
Alle lachten, und Justin zeigte Ryan lachend den Mittelfinger, während er mich fest an sich drückte.
Ein Jahr später
Justins Geburtstag stand vor der Tür. Die Gang hatte eine große Grillparty im Garten geplant, aber ich hatte ein Geschenk für ihn, das alles andere in den Schatten stellen würde.
Den ganzen Vormittag über war mir flau im Magen gewesen, aber es war diese gute Art von Übelkeit. Ich hatte den Test heute Morgen gemacht. Zwei blaue Linien.
Als die Party in vollem Gange war und Justin gerade mit Ryan über neue Motorräder fachsimpelte, trat ich zu ihm.
„Hey, Geburtstagskind“, sagte ich und legte ihm eine Hand in den Nacken.
Er strahlte mich an. „Hey, Mrs. Bieber. Genießt du die Party?“
„Ja, aber ich habe noch ein Geschenk für dich. Komm mal kurz mit rein.“
Ich führte ihn ins Haus, weg vom Lärm. Ich reichte ihm einen kleinen, flachen Karton. Er sah mich skeptisch an, öffnete ihn dann aber langsam. Darin lag ein winziger weißer Strampler, auf dem in goldenen Buchstaben stand: „Runde 2 – Die Legende geht weiter“.
Justin starrte den Strampler an. Er bewegte sich nicht. Dann sah er auf den positiven Test, der darunter lag. Seine Hände fingen an zu zittern.
„Miley?“, flüsterte er, und seine Stimme brach. „Ist das... ist das dein Ernst?“
Ich nickte mit Tränen in den Augen. „Aiden wird ein großer Bruder, Justin.“
Er stieß ein ersticktes Geräusch aus und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Er weinte. Der eiskalte Anführer der Snipers weinte wie ein Kind vor Glück. Er zog mich an sich und hielt mich so fest, als wollte er mich nie wieder loslassen.
„Danke“, schluchzte er gegen meine Schulter. „Danke für alles, was du mir gibst.“
Als wir wieder nach draußen gingen und Justin die Neuigkeit verkündete, explodierte die Stimmung förmlich. Ryan schrie vor Freude und hob mich hoch, während die anderen Snipers Justin auf die Schultern nahmen. Es war ein Fest, das die Nachbarschaft wahrscheinlich nie vergessen würde.
Justin
Der Tag der Geburt war der intensivste meines Lebens. Ich saß im Kreißsaal neben Miley, hielt ihre Hand so fest, dass meine Knöchel weiß wurden. Sie kämpfte, sie schrie, sie fluchte – und Gott, ich liebte sie in diesem Moment mehr als jemals zuvor.
„Du schaffst das, Shawty! Du bist die Stärkste, die ich kenne!“, rief ich ihr zu, während ich mir den Schweiß von der Stirn wischte.
„Justin Bieber, wenn du mir noch einmal sagst, was ich tun soll, bringe ich dich um!“, schrie sie während einer Wehe, nur um im nächsten Moment meine Hand zu küssen.
Als der erste Schrei unseres zweiten Sohnes, Aiden, den Raum erfüllte, brach eine Welle der Erleichterung über uns herein. Die Hebamme legte den kleinen Jungen auf Mileys Brust. Er war perfekt. Er hatte dunkles Haar und diese winzigen Hände, die sofort nach Mileys Finger griffen.
„Er ist wunderschön“, flüsterte ich und küsste Miley auf die verschwitzte Stirn. „Genau wie seine Mutter.“
Miley lächelte erschöpft, ihre Grübchen zeigten sich schwach. „Er hat deine Nase, Justin. Armer Junge.“
Ich lachte leise durch meine Tränen hindurch. In diesem Moment war unsere Welt vollkommen.
Heute
Wir lagen zusammen auf dem riesigen Bett in unserem Schlafzimmer. Die Morgensonne blinzelte durch die Vorhänge. Zwischen uns lag der kleine Aiden, der mittlerweile ein paar Monate alt war und mit seinen kleinen Beinchen gegen die Decke strampelte.
„Sieh dir das an“, flüsterte ich und strich Miley eine Strähne aus dem Gesicht. „Du bist so wunderschön, Miley. Jeden Tag mehr.“
Miley lächelte und sah zu unserem Sohn hinunter. „Und er ist ein kleiner Herzensbrecher. Genau wie sein Vater.“
Aiden gab ein glückliches Quieken von sich und fing plötzlich an zu lachen – dieses helle, reine Babylachen, das jeden Raum mit Licht erfüllte. Er fuchtelte mit seinen Händchen in der Luft.
Miley stand auf, um eine Decke aus dem Schrank zu holen. „Ich bin gleich wieder da, ihr zwei.“
Ich nahm die winzige Hand meines Sohnes in meine. „Sag Tschüss Mami!“, sagte ich mit verstellter, hoher Stimme und bewegte sein Händchen hin und her. „Tschüss, Mami! Wir vermissen dich jetzt schon!“
Miley blieb an der Tür stehen, drehte sich um und schenkte uns ein Lächeln, das mein Herz zum Schmelzen brachte. Sie warf uns einen Luftkuss zu und verschwand kurz im Flur.
Ich kuschelte mich eng an Aiden. „Wir haben es geschafft, Kleiner. Wir haben die beste Queen der Welt.“
Am nächsten Morgen saßen wir alle am großen Frühstückstisch. Es war laut, es war chaotisch, und es war perfekt. Ryan saß neben Aiden und versuchte, ihm beizubringen, wie man „Cool“ sagt, während seine Freundin daneben saß und nur den Kopf schüttelte.
„Justin, wir haben heute Abend das Date, erinnerst du dich?“, fragte Miley, während sie Kaffee einschenkte.
„Natürlich. Ryan passt auf die Jungs auf, richtig Ryan?“
„Ja, ja“, brummte Ryan, während er Aiden ein Stück Banane reichte. „Geht ihr zwei nur. Aber wehe, ihr kommt morgen wieder mit Neuigkeiten über ein drittes Kind an, dann kündige ich!“
Miley lachte und zwinkerte mir zu. „Keine Versprechen, Ryan!“
Der Abend war romantisch und heiß, genau wie wir es brauchten. Wir saßen in unserem Lieblingsrestaurant am Hafen, hielten Händchen und redeten über die Zukunft. Doch als wir nach Hause kamen, schafften wir es kaum über die Schwelle. Die Leidenschaft zwischen uns brannte noch genauso lichterloh wie in der ersten Nacht bei den Snipers.
Ich drückte Miley gegen die Wand im Flur, meine Hände wanderten gierig über ihren Körper. „Ich liebe dich, Shawty. Mehr als Worte sagen können.“
„Dann zeig es mir, Justin“, hauchte sie und zog mich in unser Zimmer.
In dieser Nacht, wie in jeder Nacht zuvor, wusste ich: Wir waren unbesiegbar. Wir waren die Snipers, wir waren die Biebers, und das hier war unser ewiges Happy End.
Lion war nur noch eine ferne, verblasste Erinnerung an ein Leben, das wir hinter uns gelassen hatten. Er war pleite, allein und vergessen. Wir hingegen hatten das größte Imperium aufgebaut, das es gab: Eine Familie, die auf bedingungsloser Liebe basierte.
„Für immer?“, flüsterte Miley, als wir erschöpft und glücklich ineinander verschlungen lagen.
„Für immer, Babe. Und keinen Tag weniger.“